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Klangmassage bei Schwangerschaft und Geburt

Von Connie Henning

Rechtliche Empfehlungen:
In den ersten 3 - 4 Monaten der Schwangerschaft sollte keine Klangschale auf den Bauch aufgestellt werden, da sich Kinder in dieser Zeit oft noch entscheiden, nicht geboren zu werden (Fehlgeburt) und die Gefahr besteht, dass die Fehlgeburt auf die Klangmassage zurückgeführt werden könnte. Während der gesamten Schwangerschaft sollten die Klangschalen nicht auf das Kreuzbein gestellt werden, da dies Wehen fördernd sein könnte (vgl. Bindegewebsmassagen). Ab vier Wochen vor der Geburt erübrigt sich dieses Thema, da Wehen dann eher wünschenswert sind.


Natürliches Wissen um Gebären und Umgang mit Neugeborenen

Der weibliche Körper ist evolutionsbedingt sozusagen auf Gebären »programmiert «. Damit tragen Frauen das Wissen um dieses Thema ganz selbstverständlich in sich. Jedoch ist der Zugang zu dieser Ressource, zu diesen Instinkten oft verschlossen. Unsere wissensorientierte Zeit fordert Rezepte, klare Vorgehensweisen und liefert entsprechend viele Informationen - dabei wird jedoch oft die große Bedeutung der Verbindung zum Gefühl, zur Wahrnehmung und Erfahrung außer Acht gelassen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass die werdende Mutter (oder die, die es werden möchte) in Kontakt zu sich selbst und zum ungeborenen Kind ist. Dies zu fördern und zu stärken ist Anliegen der Klangarbeit.

Grundhaltung für Hebammen, die mit Klang arbeiten

Durch den Klang der Klangschale hat die Hebamme ein wunderbares Mittel an die Hand bekommen, um Frau und Kind miteinander in Kontakt zu bringen und das natürliche Bonding zu stärken. Die tragende Rolle dieser frühen Bindung für unser weiteres Leben ins Bewusstsein zu holen, bedarf in unserer leistungsorientierten Gesellschaft zunehmend eines Erinnerns. Dass die werdende Mutter in gutem Kontakt mit sich selbst ist, ist zentrale Voraussetzung dafür, dass sie in einen guten Kontakt zu dem Kind gehen kann, das heißt, dass das natürliche Bonding zwischen Mutter und Kind stattfinden kann. In der Pränatalpsychologie weiß man um die besondere Bedeutung dieser ersten Beziehung zwischen Mutter und Kind. Sie ist grundlegend für die spätere gesunde ganzheitliche Entwicklung eines Menschen und prägend für alle weiteren Beziehungen im Leben. Hier bereits während der Schwangerschaft Unterstützung zu geben ist daher besonders wertvoll und wichtig. Durch die zunehmende kognitive und materielle Ausrichtung unserer Werte scheinen wir den Bezug zu grundlegendsten emotionalen Muster »vergessen« zu haben. Mit Hilfe der Klänge wird ein »sich Erinnern« gefördert und damit Wachstum ermöglicht.

Es gilt die Aufmerksamkeit, die Faszination für das Wunder der Schwangerschaft wieder wahrzunehmen, sich dessen bewusst zu werden - auf eine ganz emotionale, instinkthafte Weise.

Es geht darum, aus sich heraus agieren zu können, an dieses grundsätzliche Wissen in uns, d.h, an das Vertrauen in uns selber (Selbstvertrauen), wieder anzudocken.

Mögliche Ziele in der Klangarbeit mit Schwangeren

Allgemein

Wenn keine speziellen Problematiken vorliegen, ist das Ziel der Klangarbeit mit Schwangeren vor allem:

  • Erdung
  • Zentrierung
  • Stärkung der Mitte
  • Geborgenheit vermitteln
  • Selbstverstrauen und Selbstsicherheit stärken
  • Zugang zu (verschütteten) Instinkten und Weisheiten öffnen
  • Vertrauen in den eigenen Körper stärken.

Unerfüllter Kinderwunsch und Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt

Für immer mehr Frauen und Paare ist das Thema Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt mit Ängsten und Kummer verbunden. In Deutschland leiden etwa 20 bis 25 Prozent aller Paare unter einem unerfüllten Kinderwunsch. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. 15 Prozent aller (klinisch diagnostizierten) Schwangerschaften enden vorzeitig mit einem Abort, einer Fehlgeburt. Die häufigsten Störungen bzw. Beeinträchtigungen während einer Schwangerschaft sind:

  • Hyperemesis gravidarum (Schwangerschaftserbrechen)
  • EPH - Gestose (Schwangerschaftsvergiftung), geht einher mit
    · hohem Blutdruck (Hypertonus)
    · Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie)
    · Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gewebe
  • Vorzeitige Wehen
  • Die Rate der Frühgeburten, also einer Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche, liegt bei etwa 10 Prozent.

Der natürliche Vorgang von Schwangerschaft und Geburt wird zunehmend technisiert und scheint manchmal fast schon wie eine »Krankheit« behandelt zu werden. Der Trend zum geplanten Kaiserschnitt nimmt zu. Es scheint, als wollte man alles Natürliche zunehmend aus der Geburtshilfe verbannen. Wir nehmen uns dadurch eine wichtige Chance. Denn durch die Geburt haben Mutter und Kind die Möglichkeit, Krisen als positiven Lernschritt im Leben zu erfahren.

Es gibt vielfältige weitere Intentionen in der Klangarbeit mit Schwangeren, zum Beispiel:

  • Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit für den eigenen Körper fördern
  • Vertrauen in das Wissen des Körpers stärken
  • Entspannung konditionieren
  • Mit Affirmationen positive Geburtsbilder verankern
  • Ängste abbauen - Selbstvertrauen stärken
  • Krisenbereitschaft fördern – sich der Herausforderung der Geburt vertrauensvoll stellen
  • Hingabe fördern
  • Frühes Bonding zwischen Mutter und Kind fördern.

Die sensible Selbstwahrnehmung und der vorgeburtliche Kontakt zum Kind sind die Basis, um die Sprache des Körpers zu verstehen. Der Körper sendet klare Botschaften; diese Signale sind Wegweiser zur Gesundheit, denn der menschliche Körper hat, wie alle lebendigen Systeme, ein natürliches Harmonisierungsbestreben, ein Streben nach Ordnung und Ökonomie.

Je stärker diese Basis ausgeprägt ist, desto hoffnungs- und vertrauensvoller kann die Frau in die Zeit blicken, wenn das Kind geboren ist, desto mehr lernt sie, auf die eigene Intuition zu hören. Sie kann somit harmonisch im Klang des Lebens mitschwingen, der uns alle umgibt und dem Neugeborenen damit einen fruchtbaren Boden für Wachstum und Entwicklung ermöglicht. Störungen in der Schwangerschaft als Hilfeschrei des Körpers Symptome bzw. Störungen in der Schwangerschaft, wie Hyperemisis (Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen), vorzeitige Wehen; HELP - Syndrom, EPH - Gestose (Schwangerschaftsvergiftungen/Entgleisungen von Nieren, Leber, Blutkreislauf) können als Versuch des Körpers verstanden werden, die fehlende Aufmerksamkeit einzufordern, als Hinweis, wieder in Kontakt mit sich selbst zu gehen, als Kommunikationsversuch des Körpers zum Geist, als Hilfeschrei des Körpers, der eine andere Haltung, eine andere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung einfordert.

Es geht um Kontakt zu sich selbst, Kontakt zum Bauch, zum Gefühl, Nicht - Kopf, Nicht - Verstand, natürlich auch um Kontakt zum ungeborenen Kind, um das Wahrnehmen der Symbiose, das Bonding, das schon pränatal beginnt.

Fehlgeburten

Gerade bei Frauen, die bereits einige Fehlgeburten erleben mussten, verhindern oft vielfältige Ängste den positiven Verlauf einer erneuten Schwangerschaft. Hier kann es sinnvoll sein, an folgenden Themen zu arbeiten:

  • Klang nutzen, um bei sich anzukommen
  • Versuchen, bei sich anzukommen, sich zu spüren, Körper wahrnehmen
  • Das Becken spüren - Bezug zum Beckenraum aufbauen
  • Ängste thematisieren - Aufarbeitung z.B. durch Klang-Rituale, Abschied nehmen
  • Das Alte abschließen, bevor was Neues kommen darf
  • Was sind meine Ressourcen (vgl. Systemischer Ansatz: Time-Line-Arbeit)
  • Schuldgefühle aufarbeiten - meinem Körper kann ich vertrauen, der weiß was er tut, und das, was er tut, ist richtig - was auch immer das ist
    Als Beispiel: Mein Körper ist mein Boss!
  • Mit Klang durch erneute Schwangerschaft begleiten.

Eigene Bedürftigkeit durch Klang nachnähren

Aus der Pränatalpsychologie ist bekannt, dass viele Defizite aus der Zeit im Mutterleib stammen, aus dem Nicht-Kontakt zwischen Mutter und Kind. Vielleicht ist diese Kontaktaufnahme auch deshalb für viele werdende Mütter so schwer, da sie selbst diese Symbiose nicht erlebt haben und es sie daher auch nicht geben könne?

Es erfordert viel Arbeit an sich selbst, um diese natürlichen unbefriedigten Bedürfnisse nachzunähren - Klang kann hierbei ein hilfreiches Medium sein. Er scheint an eine Ur-Erfahrung anzuknüpfen, die evolutionsbedingt im Zellgedächtnis gespeichert ist - an die kosmische Einheit, die noch vor der Befruchtung anzusetzen ist – die spirituelle Dimension. Natürlich sind im Zellgedächtnis auch traumatische Erlebnisse im Sinne von »zu schnell, zu plötzlich, zu heftig« gespeichert. Der Klang kann hier einen sichernden Raum bieten, Bilder noch einmal auftauchen zu lassen. Der Klang und der Kontakt zum Klangtherapeuten bieten hier ein sicheres Netz, um eine neue, nachnährende Erfahrung zu machen. Das »Steckengeblieben-Sein« im Trauma kann hier eine adäquate Lösung erfahren.

Die nochmals durchschrittene Gefühlswelt kann integriert werden und dadurch Wachstum geschehen. Der Klang und der Kontakt zum Gegenüber bilden einen sicheren, geborgenen Raum, der durch das therapeutische Wissen des Klangtherapeuten und die unbewussten Ressourcen des Klienten genutzt werden kann. Dem Klang kommt dabei eine therapeutische Qualität von »dasein, sicher sein, verlässlich-sein« zu.

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Klänge der Klangschalen helfen, die problematischen Bereiche überhaupt erst anzusehen - dies ist in der sichernden, verlässlichen Qualität begründet, die die Klänge der Klangschale fast allen Menschen vermitteln.

Urvertrauen stärken

Die Pränatalzeit ist bei den wenigsten Menschen heil. Das Gefühl des Urvertrauens scheint eher mit der Zeit davor verbunden, dem Gefühl kosmischen All-Eins-Seins, wie es oft während oder nach einer Klangmassage/ Klangmeditation mit Klangschalen beschrieben wird.

Dieses Gefühl aus der »Zeit davor« sollte sich natürlicherweise ins grenzenlos Schwimmende, der Symbiose im Mutterleib, fortpflanzen. Danach käme der Kontakt zur Mutter, in dem sich diese Symbiose fortsetzt, der Weg in die Familie - als Kleinkind - und später die Loslösung aus dieser Symbiose und das hinausgehen in die Welt.

Die Pränatalpsychologie zeigt auf, dass dieser natürliche Ablauf oft schon während der Schwangerschaft gestört ist und sich dann weiter im Leben fortsetzt. Naturtoninstrumente, wie die Klangschale, scheinen an das Urvertrauen - aus dem Sein in der »Ursuppe« wieder anzuknüpfen und ein Nachnähren und Wachsen zu ermöglichen.

Daher kann die Klangarbeit gerade auch in der Arbeit mit Schwangeren oder bereits vorher, eine hilfreiche Unterstützung für eine gesunde Entwicklung des Kindes und für ein Stärken der werdenden Mutter sein. Vielleicht hängt im Fall einer ungewollten Kinderlosigkeit dies auch mit solchen oder ähnlichen Ängsten und unbearbeiteten Traumatas zusammen? Es ist immer wieder zu erleben, dass die Klangmassage hier zu einer Veränderung führen kann, und Frauen ganz entgegen der Erwartung ihrer Gynäkologen doch schwanger werden.

Klangschalen haben eine zentrierende, sammelnde, bündelnde Qualität. Sie helfen, wieder in der eigenen Mitte anzukommen, das »Brüten« zu lernen, wie es für eine Schwangerschaft wichtig sein kann.

Diese Qualität kann natürlich auch in anderen Bereichen familientherapeutischer Arbeit genutzt werden, die in der Zeit der Schwangerschaft von Bedeutung ist und hilfreich sein könnte.

Im Zuge einer Schwangerschaft stellt sich für die werdende Mutter oft die Frage: Was ist meine Rolle - als werdende Mutter, als Mutter, in der Partnerschaft?

Es bestehen z.B. (unbewusste) Ängste, nicht mehr wichtig genommen zu werden, vernachlässigt zu werden. Diese Ängste können aus der eigenen Erfahrung als Säugling oder Kleinkind rühren, selbst nicht versorgt worden zu sein. Nicht selten wird dieses regressive Verhalten auf den Partner projiziert - hier kann die Klangarbeit helfen, Bewusstsein zu schaffen und wieder in die Eigenverantwortung und in die Harmonie zu kommen.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, wie wichtig die Arbeit mit dem »Inneren Kind« ist, und die Klärung: Wo ist die Bedürftige und an welche Stelle gehört sie? Das »Innere Kind« sozusagen zu erlösen, kann gerade beim Thema unerfüllter Kinderwunsch von Bedeutung sein.

Paararbeit

Die Klangarbeit bietet auch besonders vielfältige Möglichkeiten den Partner der Frau einzubeziehen, z.B. mit dem Ziel:

  • Gemeinsam schöne Momente erleben
  • Die Frau während der Schwangerschaft und bei der Geburt unterstützen
  • Paarbeziehung während der Schwangerschaft stärken, d.h., Beziehung in der zukünftigen Familie stärken
  • u.v.m.

Nach der Geburt

In der Phase unmittelbar nach der Geburt können die Klänge mit dem Ziel eingesetzt werden, die gewonnene Einheit zwischen Körper-Geist-Seele zu stabilisieren und zu erhalten. Dies ist eine gute Grundlage für die Frau, um ausgeglichen und selbstsicher in die neuen Herausforderungen der Familie hineinzuwachsen.

Zentrale Fragen in der Ausübung der Klangmassage

Folgende Fragen sind entscheidend für den Rahmen, den eine Klangmassage bietet, ob sie nur zur Entspannung gegeben wird, oder ob sie als therapeutisches Mittel zum Einsatz kommt:

  • Was will ich?
  • Zu was lade ich bei einer Klangmassage ein? - Zu einer Entspannung oder zu einer therapeutischen Begleitung?
  • Was kann ich?
  • Das heißt, welche Ausbildungen beziehungsweise welches Handwerkszeug habe ich, um eventuell therapeutische Prozesse zu begleiten?
  • Was darf ich?
  • Habe ich im rechtlichen Sinne die Erlaubnis zu »therapieren« oder zu »heilen«?

Auszug aus: Connie Henning: Klangmassage in der Schwangerschaft und Geburt, in: Hess/Koller (Hrsg.): Klangmethoden in der therapeutischen Praxis, Verlag Peter Hess, 2009, S. 216 ff.

 


Connie HenningConnie Henning
arbeitet seit über 20 Jahren als freiberufliche Hebamme und seit sieben Jahren als Heilpraktikerin für Psychotherapie in eigener Praxis. Weiterbildungen unter anderem in Craniosacral-Therapie und in systemischer Familientherapie, Fortbildung in lösungsorientierter Hypnose sowie in der Musiktherapie nach Wolfgang Strobel. Autorisierte Ausbilderin in der Peter Hess-Klangmassage.

 

 

 

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